Was zeichnet gute Unternehmenskommunikation aus?

Das Interview ist online: fuer-gruender.de

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Für-Gründer.de: Hallo Frau Gabbey, Sie waren vor ein paar Jahren selbst Gründerin mit der Agentur KINGKONGKommunikation – auf welchen beruflichen Werdegang blicken Sie zurück?

Bianca Gabbey: Ich komme aus der klassischen Werbung. Große Agenturen, kreative Kampagnen – das gehört dort zum Tagesgeschäft. Durch mein Studium der Wirtschaftskommunikation und die Arbeit im Marketingbereich habe ich mein Wissen auch außerhalb der kreativen Ideenfindung weit ausbauen können.

Das kombiniere ich jetzt: ungewöhnliche und auffällige Ideen gepaart mit präziser und funktionaler Werbung – je nachdem, was passt und gebraucht wird. Das finde ich mit meiner Art-Partnerin Cathleen Leu heraus. Und genau das reizt mich an meinem Beruf: Mit Gründern neu zu starten, den Markt zu entdecken, die Zielgruppe kennenzulernen und dann auf die Suche nach der perfekten Ansprechmethode zu gehen.

Für-Gründer.de: Werbung ist für viele Gründer und kleine Unternehmen viele Flyer oder andere Werbemittel zu drucken und zu verteilen – ist doch ein guter Anfang, oder?

Bianca Gabbey: Nicht unbedingt. Ein guter Anfang ist ein Werbemittel, das die Zielgruppe dort trifft und abholt, wo sie sich aufhält. Das kann ein netter Brief mit einem kleinen Geschenk an eine ausgewählte Gruppe von sogenannten Multiplikatoren sein, oder eine persönliche Einladung zur Geschäftseröffnung.

Wichtig ist: Die Idee muss überraschen. Die Aussage überzeugen. Die Wahl des Werbemittels ist dabei so individuell, wie die Geschäftsidee und der Gründer.

Deshalb bieten wir auch keine Gründungspakete an. Wir entwickeln für jeden Gründer nur das, was er für den Start auch wirklich braucht.

Für-Gründer.de: Auf welche Hauptprobleme stoßen Sie gerade bei jungen Unternehmen, wenn es um die Fragen der Werbung geht? Und welche Fehler werden in der Praxis häufig gemacht?

Bianca Gabbey: Beliebigkeit, fehlende Emotionalität und Austauschbarkeit der Werbung kann man sicher grobe Fehler nennen. Wie zum Beispiel Websites, Flyer oder Logos von der Stange. Sie sehen zwar meist schön aus, doch sie bilden das Produkt und das Unternehmen nicht ab und spiegeln es nicht wider. Sie passen zu jedem und sind austauschbar.

Es ist wichtig herauszufinden, was sein Unternehmen vom Rest abhebt und das Angebot dann präzise und einzigartig darzustellen. Das geht nur, wenn ich meine Alleinstellungsmerkmale kenne und hervorhebe – in der Gestaltung, in der Aussage, im Papier, in der Tonalität … Wer es so macht, macht auf jeden Fall schon Grundlegendes richtig. Wenn ich es mache, wie der links und rechts neben mir, bin ich beliebig und genauso wie alle anderen. Das ist auch ein weiterer Grund für uns, Gründern keine Pakete anzubieten.

Für-Gründer.de: Marketingkonzept klingt sicherlich ein wenig hochtrabend – aber welche Gedanken sollten sich Jungunternehmer machen, um tatsächlich effizient die Zielgruppe zu erreichen?

Bianca Gabbey: Marketingkonzept ist schon das richtige Wort. Denn es braucht einen kommunikativen Fahrplan für eine erfolgreiche Vermarktung. Jeder Gründer muss sich vor der Geschäftseröffnung überlegen:

Wo treffe ich die Zielgruppe? → Die Mediaplanung betreiben.

Wie überzeuge ich die Zielgruppe? → Das Alleinstellungsmerkmal herausarbeiten.

Was ist der Vorteil für meine Kunden? Warum sollen sie unbedingt mein Angebot annehmen? → Konkrete Argumente für mein Produkt benennen können.

Wie soll mein Produkt wahrgenommen werden? → Die Positionierung festlegen und Farbe bekennen.

Im Grunde sind diese Fragen in einem guten Businessplan beantwortet. Das ist in der Regel auch das Erste, was wir uns genau ansehen, bevor wir mit unserer Arbeit beginnen.

Für-Gründer.de: Vielfalt der Werbemöglichkeiten – kleines Budget. Wie ist dieses Dilemma zu lösen?

Bianca Gabbey: Ich sehe darin kein Dilemma. Das sind der Spaß und die Herausforderung an unserer Arbeit. Es geht darum, einen neuen und anderen Weg zu finden und diesen zu gehen.

Dazu versehen wir eine Visitenkarte beispielsweise schon mal mit der Funktion eines kleinen Flyers. Dafür werden die Kernleistungen oder das Angebot geschickt auf der Visitenkarte untergebracht. Im Englischen sagt man so schön: thinking out of the box. Das machen wir am liebsten!

Für-Gründer.de: Wie unterstützen Sie in Ihrer Agentur bei der Entwicklung eines stimmigen Konzepts?

Bianca Gabbey: Ich leiste die Vorarbeit für die grafische Umsetzung und bin für die Ausarbeitung der Texte verantwortlich. Zuerst schaue ich mir die Zielgruppe genau an. Danach finde ich heraus, was deren Vorlieben und Probleme sind. Anschließend überlege ich, womit man die Zielgruppe vom Angebot überzeugen kann.

Das können Problemlöser oder emotionale Anknüpfungspunkte sein. Das bildet die Basis für die Umsetzung und die Argumentationskette bei der Kundenansprache.

Für-Gründer.de: Nach der Theorie folgt die Praxis: die Umsetzung der Werbemittel – was ist bei der Gestaltung zu beachten?

Bianca Gabbey: Auch bei der Gestaltung gilt: Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Deshalb fragen wir auch hier:

Wie wecken wir das Interesse der Zielgruppe?

Worauf reagieren die Kunden?

Was mögen diese?

Natürlich muss die Gestaltung auch zum Produktanbieter passen. Er muss hinter den entwickelten Werbemitteln stehen und sich damit wohlfühlen – textlich und gestalterisch.

Wenn der Gründer nicht von den entwickelten Werbemitteln überzeugt ist, ist es, als würde man im falschen Dress zur Bewerbung gehen. Man fühlt sich nicht 100 % wohl mit seinem Erscheinungsbild und der Gegenüber merkt das sofort.

Die Gestaltung der Werbung muss also die Zielgruppe ansprechen und dem Gründer entsprechen. Das ist eine Herausforderung, der wir täglich begegnen und die wir gern lösen.

Für-Gründer.de: Wie kann man sich die Zusammenarbeit mit Ihnen vorstellen … Können Sie uns vielleicht kurz den typischen Arbeitsablauf beschreiben?

Bianca Gabbey: In der Regel gibt es ein erstes, unverbindliches Telefonat oder Treffen mit dem Unternehmer. Hier sprechen wir über das Angebot oder die Geschäftsidee. Meist bringt der Gründer schon die erste Idee mit, wie er sein Produkt vermarkten will. Diese werten wir erst aus und starten dann erste Überlegungen, welche Kommunikationsmittel gebraucht werden.

Wenn der Unternehmer mit uns zusammenarbeiten möchte, schauen wir uns den Businessplan genauer an: Zielgruppe, Alleinstellungsmerkmal, Kernargumente, Positionierung und so weiter. Nach der Abstimmung mit dem Gründer beginnt die kreative Arbeit. Textlich und grafisch wird dabei eine Ansprache bestimmt. Also wie gehen wir auf den Kunden zu:

Sind die Kunden eher jung – reden wir also umgangssprachlich, zeigen uns offen?

Ist das Produkt seriös – sprechen wir distanziert und stellen uns förmlich dar?

Anhand dieser Überlegungen und in Anlehnung an Zielgruppe und Positionierung entwickeln wir die grafischen Ideen für das Logo und Corporate Identity. Daraus leiten sich alle weiteren Werbemittel ab.

Je nach Funktion und Wirkung der einzelnen Werbemittel werden deren Inhalte bestimmt. Ein Flyer ist heutzutage eine Art Teaser, der auf die Webseite verweist. Auf der Webseite findet der Kunde dann in der Regel ausführlichere Informationen. Aber auch das ist wiederum vom Produkt abhängig und gilt nicht für jeden.

In Zusammenarbeit mit Programmierern und Druckereien werden dann die entwickelten Werbemittel produziert. Dabei übernehmen wir die Koordination und Abwicklung. Der Gründer bekommt am Ende ein fertiges Produkt von uns in die Hand: Einen Karton mit Visitenkarten und eine funktionierende Webseite auf seiner Wunsch-URL zum Beispiel.

Für-Gründer.de: Sie sind in Berlin ansässig – ist dort nicht ein ungemeiner Wettkampf zwischen den Kreativen und wie setzen Sie sich durch?

Bianca Gabbey: Gegenteiliges ist der Fall. Wir arbeiten partnerschaftlich mit verschiedenen Agenturen zusammen. Es ist in der Werbung wie im wahren Leben: Man kann nicht alles können. Und wenn wir mal nicht weiter wissen, fragen wir bei befreundeten Agenturen um Rat. Und umgekehrt.

Für-Gründer.de: Und zum Abschluss: Was sind Ihre wichtigsten 5 Tipps für ein gutes Marketing bei Gründern?

Bianca Gabbey:
Ein Gründer sollte…

…gut informiert sein

…viel Fleiß an den Tag legen

…authentisch und ehrlich sein

…Mut beweisen

…sich vom Rest unterscheiden und anders sein!